Angst und Panik verstehen

Was passiert eigentlich, wenn Angst immer stärker wird?

Angst kann sich manchmal wie etwas völlig Unkontrollierbares anfühlen. Ein Gedanke taucht auf. Dein Körper reagiert. Du bekommst Angst vor der Reaktion. Die Angst wird stärker. Und plötzlich scheint alles nur noch auf diesen einen Moment ausgerichtet zu sein. Dabei entsteht häufig ein Kreislauf, bei dem Gedanken, Gefühle, körperliche Reaktionen und Verhalten miteinander verbunden sind. Wenn du diesen Kreislauf verstehst, kann sich bereits etwas verändern: Du bist deinen Reaktionen nicht mehr völlig ausgeliefert.

Angst beginnt nicht immer mit einem bewussten Gedanken

Vielleicht denkst du: „Ich habe Angst, weil ich Angst bekomme.“ Aber häufig läuft es komplexer ab. Eine Situation kann eine bestimmte Wahrnehmung auslösen. Diese Wahrnehmung wird bewertet. Daraus entsteht ein Gefühl. Der Körper reagiert und diese körperliche Reaktion wird wiederum interpretiert. So können sich mehrere Prozesse gegenseitig verstärken.

Der Angstkreislauf

Ein vereinfachtes Beispiel:

Du bemerkst ein Herzklopfen.

Du denkst: „Hoffentlich bekomme ich keine Panik.“

Deine Aufmerksamkeit richtet sich stärker auf deinen Körper.

Du bemerkst weitere Veränderungen.

Deine Angst steigt.

Dein Körper reagiert noch stärker.

Du interpretierst diese Reaktion als Bestätigung.

Die Angst nimmt weiter zu. Das kann sehr schnell gehen.

Warum Gedanken so wichtig sein können

Nicht nur die Situation selbst entscheidet darüber, wie du dich fühlst. Auch die Bedeutung, die du einer Situation gibst, spielt eine Rolle. Ein schneller Herzschlag kann beispielsweise einfach durch Bewegung entstanden sein. Wenn du ihn aber als Zeichen einer bevorstehenden Panikattacke interpretierst, kann daraus Angst entstehen. Das bedeutet nicht, dass Angst „nur im Kopf“ stattfindet. Die körperlichen Reaktionen sind real. Aber Gedanken und Bewertungen können beeinflussen, wie sich die Reaktion weiterentwickelt.

Warum Vermeidung den Kreislauf aufrechterhalten kann

Wenn du Angst hast, möchtest du verständlicherweise weg. Das Problem: Wenn du eine Situation verlässt und die Angst danach sinkt, kann dein Gehirn daraus lernen: „Die Situation war gefährlich. Zum Glück bin ich gegangen.“ Beim nächsten Mal ist die Angst deshalb möglicherweise noch schneller da. So kann aus einer einzelnen unangenehmen Erfahrung nach und nach ein immer größer werdender Vermeidungsbereich entstehen.

Sicherheit gibt Sicherheit – und kann trotzdem zum Problem werden

Auch sogenannte Sicherheitsverhalten können eine Rolle spielen. Du fühlst dich beispielsweise nur sicher, wenn jemand bei dir ist. Oder du hast immer Medikamente, Wasser oder dein Handy dabei. Vielleicht sitzt du in der Nähe eines Ausgangs. Oder du kontrollierst deinen Puls. Solche Dinge können kurzfristig beruhigen. Gleichzeitig verhindern sie möglicherweise die Erfahrung „Ich kann diese Situation auch ohne meine Sicherheitsstrategie bewältigen.“

Warum Angst vor der Angst entstehen kann

Wenn du eine starke Panikattacke erlebt hast, kann die Erinnerung daran selbst zum Auslöser werden.

Du hast Angst davor, wieder Angst zu bekommen.

Dann beginnt dein Körper möglicherweise schon auf kleinste Signale zu reagieren.

Mehr dazu findest du auf der eigenen Seite Angst vor der Angst.

Angst ist nicht dein Feind

Vielleicht versuchst du, jede Angst zu vermeiden. Aber Angst erfüllt grundsätzlich eine wichtige Funktion. Sie soll dich auf mögliche Gefahren aufmerksam machen.

Die Frage ist deshalb nicht immer:„Wie werde ich meine Angst sofort los?“ Manchmal ist die bessere Frage: „Warum reagiert mein System gerade so?“ Und: „Was hält diesen Kreislauf heute aufrecht?“ Diese Perspektive kann einen anderen Umgang mit Angst ermöglichen.

Wo Veränderung beginnen kann

Wenn du deine persönlichen Zusammenhänge erkennst, kannst du anfangen, sie anders zu betrachten. Was löst deine Angst aus? Welche Gedanken folgen? Was passiert in deinem Körper? Was machst du danach? Was vermeidest du? Und was gibt dir kurzfristig Sicherheit? Aus diesen Antworten entsteht ein individuelles Bild. Und genau dieses Bild ist wesentlich hilfreicher als eine allgemeine Erklärung über Angst.

Angst und Panik aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten

Angst kann auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden.

Gedanken:
Was denkst du in einer angstauslösenden Situation?

Gefühle:
Was empfindest du?

Körper:
Welche körperlichen Reaktionen bemerkst du?

Verhalten:
Was tust du anschließend?

Muster:
Was wiederholt sich immer wieder?

Diese Ebenen beeinflussen sich gegenseitig.

Wo Hypnose ansetzen kann

Hypnose kann einen anderen Zugang zu inneren Prozessen ermöglichen. Gerade wenn du das Gefühl hast: „Ich weiß rational, dass ich keine Angst haben müsste – aber mein Körper reagiert trotzdem.“, kann es interessant sein, nicht nur auf der bewussten Ebene zu arbeiten.

Hypnotherapeutische Arbeit kann dabei helfen, innere Muster und emotionale Zusammenhänge genauer zu betrachten.

Mehr dazu findest du auf Hypnose gegen Angst und Panik.

Angst verstehen heißt nicht, sie sofort beseitigen zu müssen

Vielleicht möchtest du deine Angst am liebsten so schnell wie möglich loswerden. Das ist verständlich. Trotzdem kann es hilfreich sein, zuerst zu verstehen, was sie dir eigentlich sagen will und wie dein persönlicher Angstkreislauf funktioniert. Denn Veränderung beginnt nicht immer damit, etwas wegzumachen. Manchmal beginnt sie damit, etwas anders zu verstehen.

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