Angst vor der Angst
Wenn nicht mehr die Situation, sondern die nächste Angst zum Problem wird
Eine Panikattacke kann so intensiv sein, dass du danach vor allem eines möchtest: Nie wieder so etwas erleben. Das ist verständlich. Doch genau daraus kann ein neuer Kreislauf entstehen. Du beobachtest deinen Körper. Du achtest auf jedes Herzklopfen.
Du fragst dich, ob dir gleich schwindelig wird. Du überlegst, ob du eine Situation besser verlassen solltest. Und irgendwann besteht ein großer Teil deiner Aufmerksamkeit nur noch aus der Frage: „Was ist, wenn es wieder passiert?“ Das ist die Angst vor der Angst.
Wie entsteht Angst vor der Angst?
Nach einer sehr intensiven Angsterfahrung kann dein Gehirn besonders aufmerksam für mögliche Anzeichen einer neuen Attacke werden. Ein leichtes Herzklopfen wird plötzlich wichtig. Ein kleiner Schwindel wird beobachtet. Eine Veränderung der Atmung wird kontrolliert. Und je mehr du deinen Körper beobachtest, desto mehr nimmst du wahr. Was vorher völlig unauffällig gewesen wäre, bekommt plötzlich eine große Bedeutung.
Der Angstkreislauf
Ein typischer Kreislauf kann beispielsweise so aussehen:
Körperliche Wahrnehmung
Du bemerkst ein ungewöhnliches Gefühl.
↓
Bewertung
Du denkst: „Was ist, wenn das wieder eine Panikattacke wird?“
↓
Angst
Deine Anspannung steigt.
↓
Körperliche Reaktion
Dein Herz schlägt schneller, deine Atmung verändert sich oder du wirst unruhig.
↓
Weitere Bewertung
„Jetzt geht es wirklich los.“
↓
Noch mehr Angst
Der Kreislauf verstärkt sich. Das bedeutet nicht, dass du dir deine Angst „einbildest“. Die körperlichen Reaktionen sind real.
Warum Vermeidung so verlockend ist
Wenn du Angst vor einer Panikattacke hast, ist es logisch, Situationen vermeiden zu wollen. Du fühlst dich sicherer, wenn du zu Hause bleibst. Oder wenn jemand dabei ist. Oder wenn du jederzeit schnell gehen kannst. Kurzfristig funktioniert das. Die Angst sinkt. Doch langfristig kann dein Gehirn daraus lernen: „Diese Situation war tatsächlich gefährlich. Nur weil ich sie vermieden habe, ist nichts passiert.“ So kann sich die Angst immer weiter ausbreiten.
Sicherheitsverhalten
Nicht immer ist es eine komplette Vermeidung. Manchmal entwickelst du bestimmte Sicherheitsstrategien. Du hast immer Wasser dabei. Du sitzt möglichst nahe am Ausgang. Du kontrollierst ständig deinen Puls. Du gehst nur mit einer bestimmten Person irgendwohin. Du suchst vorher nach Fluchtmöglichkeiten. Solche Strategien können Sicherheit geben. Gleichzeitig können sie dazu führen, dass du nie wirklich erfährst, dass du eine Situation möglicherweise auch ohne diese Absicherung bewältigen könntest.
Der eigentliche Gegner ist nicht immer die Angst
Vielleicht versuchst du schon lange, Angst zu verhindern. Aber Angst ist eine menschliche Reaktion. Die entscheidende Frage kann deshalb eine andere sein:
Was passiert, wenn du Angst bekommst? Wie bewertest du sie? Was machst du dann? Und wie sehr bestimmt diese Erwartung inzwischen dein Verhalten? Hier kann ein wichtiger Ansatzpunkt für Veränderung liegen.
Wenn du ständig deinen Körper kontrollierst
Menschen mit Angst vor der Angst entwickeln manchmal eine sehr genaue Beobachtung des eigenen Körpers. Jedes Herzklopfen wird registriert. Jeder Atemzug wird bewertet. Jede Veränderung wird überprüft. Das Problem: Je stärker du deinen Körper beobachtest, desto mehr normale Schwankungen nimmst du wahr.Und wenn du diese Schwankungen als Gefahr interpretierst, kann daraus wiederum Angst entstehen.
Was helfen kann
Es gibt keine pauschale Lösung. Hilfreich kann zunächst sein, den eigenen Angstkreislauf zu verstehen. Wann beginnt er? Was ist der erste Auslöser? Welche Gedanken folgen? Welche körperlichen Reaktionen entstehen? Und was tust du anschließend? Wenn du diese Abfolge erkennst, kannst du beginnen, sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Angst vor der Angst und Hypnose
Wenn Angst sehr stark mit automatischen emotionalen Reaktionen verbunden ist, kann Hypnose einen möglichen Zugang darstellen. Dabei geht es nicht darum, dir einzureden, dass du keine Angst mehr haben darfst. Vielmehr kann die hypnotherapeutische Arbeit dabei unterstützen, innere Reaktionsmuster genauer zu betrachten.
Mehr darüber erfährst du auf Hypnose gegen Angst und Panik.
Du musst nicht dein ganzes Leben nach der Angst ausrichten
Vielleicht ist dein Leben inzwischen kleiner geworden. Du planst Wege anders. Du vermeidest bestimmte Orte, z.B. Supermärkte, Busse, Brücken, überfüllte Plätze...
Du sagst Einladungen ab. Oder du überlegst vor jeder Situation, ob eine Panikattacke auftreten könnte. Wenn du dich darin wiedererkennst, kann es sinnvoll sein, dir Unterstützung zu holen.
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